Sehr geehrter Herr Overath
Hiermit kündige ich meine Mitgliedschaft beim 1.FC Köln, fristgerecht zum 30. Juni 2012. Früher ging leider nicht, es gibt ja eine dreimonatige Kündigungsfrist.
Ich hatte mir diesen Schritt vorgenommen, für den Fall, dass Frank Schaefer entlassen wird. Offiziell war es natürlich keine Entlassung, aber Sie haben es auch nicht geschafft, diesem anständigen Menschen und talentierten Trainer ein Umfeld zu schaffen, in dem er erfolgreich arbeiten und sich selbst gegenüber treu bleiben kann. Zuweilen hat es den Anschein, dass sogar genau das Gegenteil getan wurde.
Die Details kenne ich nicht und ganz ehrlich möchte ich sie auch nicht alle kennen. Ich muss allerdings feststellen, dass sie ihren Laden einfach nicht in den Griff kriegen. Ganz ohne Frage ist es kein leichter Job, in in dieser Zeit und in dieser Stadt einen Verein wie den FC zu führen. Sie hatten allerdings eine ganze Menge Zeit, die Probleme bleiben aber bestehen oder werden immer bizarrer.
In den ganzen Jahren hat man so gut wie nie das Gefühl bekommen, dass da wirklich eine Mannschaft auf dem Feld steht. Es geht dauernd nur um Eitelkeiten und Egoismen. Aber wie sollen die Spieler das auch lernen, wenn es ihnen von der Spitze nicht aufrichtig vorgelebt wird?!
Für solche Zwecke wird dann ein kleines Youtube-Image-Filmchen gedreht und auf der Website die neue Leitkultur definiert. Dass es damit nicht getan ist, hat man in dieser Horrorsaison nur allzu deutlich erfahren dürfen. Und es gibt nicht wenige, die sagen, dass dieser 1.FC Köln auch einen Abstieg verdient hätte. Ohne die sehr ordentliche Bilanz unter Frank Schaefer wäre der FC schon mausetot.
Ihre Kampfansage auf der Mitgliederversammlung war in meinen Augen auch eher Ihrer Eitelkeit geschuldet, denn hätten Sie ja für alle Zeiten mit dem Makel leben müssen, trotz Ihres Weltmeistertitels den FC nicht auf Kurs bringen zu können. Nun, vielleicht geschieht das früher oder später auch so. “Don’t forget to go home”, sagen sie auf Techno Parties und es ist wirklich immer gut, wenn man selbst den Zeitpunkt erkennt, nach Hause zu gehen. Dass Sie den 1.FC Köln lieben spricht Ihnen glaube ich niemand ab, aber wir alle wissen, dass es Zeit für einen Neuanfang ist. Und Sie wissen das eigentlich auch.
Lassen Sie einfach los, Herr Overath! Das tut garnicht so weh wie es den Anschein hat. Ich mache mal den Anfang und lasse meine Mitgliedschaft los. Frank Schaefer meinte, dass es Teile dieses Geschäfts gibt, die ihn anwidern. Wie in so vielen anderen Fällen trifft er damit punktgenau auch meine Meinung.
Ich werde natürlich FC Fan bleiben und im Prinzip ist es mir egal, in welcher Liga sie spielen. Ich möchte nur gerne mal wieder stolz sein können auf meinen Verein und ich habe vorerst keine Lust mehr, noch mehr von meinem Geld in dieses zuweilen recht abstoßende Geschäft zu stecken.
Sportliche Grüsse
Johannes Thies


Lieber Johannes,
diese Mail spricht mir so aus der Seele! Ich wünschte Herr Overath würde Deine Worte erhören. Schlechter kann man keinen Verein führen. Er hatte jetzt Jahrelang Zeit zu zeigen was er kann. Was er kann haben wir nun eindrucksvoll erlebt. Nichts kann er!
Bitte abdanken.
p*
Nun ja…
Du hast recht mit dem meisten was schreibst, keine Frage.
Aber gleichermaßen gehst Du den Weg den der kritisierte Herr O. auch geht und stellst Dich in ein Licht, was Deiner nicht gerecht wird.
Bist Du wirklich so wichtig?
Du sprichst mir aus dem Ehrzen, keine Frage, aber wären all diese Gründe kein Ansatz zu bleiben und etwas anzustossen?
Jüngst hat die 11Freunde einen Artikel über “die Macht der Fans” und die neuen Demokratien veröffentlicht…
Und es wäre der besser Weg.
Denn… Wie kann ich denn “Fan” dieses Vereins bleiben, wenn ich mich innerlich gelöst habe, meine Mitgliedschaft gekündigt habe und mit dem Weg der Vereinsführung überhaupt nicht einverstanden bin?
Wohl durch ein Stück Lokalpatriotismus und eine wenig “RuT und Wieß”..
Aber reicht das dann auch nicht, um sich den Fortunen anzuschliessen oder auch Viktoria Köln?
Ich kann mich erinnern, dass ich vor ein paar Jahren nach Köln zur JHV gefahren bin, nur um gegen Herrn O. zu voten…
Es wäre an der Zeit, dass das viel mehr Fans machen. Gehen kann jeder…
Hallo Sascha,
gute Kritikpunkte.
Natürlich ist das egoistische Kackscheisse, was ich hier mache.
Kündigen kann man ja, aber heutzutage muss man den ganzen Mist auch veröffentlichen. Macht ja jeder.
Und du hast völlig recht, dass man etwas anstösst und etwas macht.
Das ist dieser Brief auch, ich bin froh, dass er auf geteilte Meinung stösst.
Manchmal ist es vielleicht auch besser, wenn man nicht an etwas beteiligt oder Mitglied ist. Ich bin auch nicht in einer Partei bin dennoch daran interessiert, etwas zu machen in dieser Gesellschaft.
Ausserdem habe ich immer gesagt, dass ich an dem Tag kündige, wenn Frank Schaefer gehen muss. Das habe ich nur eingehalten.
Dass ich es veröffentlicht habe, kann man diskutieren.
Und ich denke ja, wir können Verhältnisse rund um den FC auch verändern, ohne Mitglied zu sein.
PS:
1.
ist eine Mitgliedschaft auch immer dazu gemacht, sie auch wieder zu beenden. Vor allem, wenn diese Art von Mitgliedschaft dermassen kommerzialisiert wird wie es beim FC der Fall ist.
2.
läuft meine ja auch noch bis zum 30.06.2012, also sehen wir uns wohl auf der MV 2011 :-)