Machen bestimmte (Glücks)Spiele mehr oder weniger süchtig?

Nun ist es endlich amtlich geworden. Spielsucht ist eine weltweit von der WHO anerkannte Krankheit. Wer sich bisweilen einen Teil seiner Mitmenschen in den letzten Jahren etwas genauer angesehen hat, brauchte auf diese Erkenntnis der Weltgesundheitsorganisation eigentlich nicht mehr zu warten. Denn Smartphone- und Spielsucht stehen seit Jahren auf der Top-10-Liste der warnenden Mediziner und Psychologen, die ihre Patienten etwas genauer betrachten. Sehr gern wird heute auf elektronische Glücksspiele und Internet-Casinos mit dem Hinweis verwiesen, dass diese wohl den größten suchtgefährdenden Faktor in sich tragen. Ist dem wirklich so oder sitzt die Bevölkerung da eher einem Bären auf?

Das Hauptargument

Das wesentliche Problem seien elektronischen Slot-Maschinen, Online-Glücksspielen und -Casinos und läge darin begründet, dass sich jeder, wann auch immer, mit seinem Smartphone zurückziehen könne, um zu spielen. Das ist vielleicht insoweit richtig, da Gratisspiele, bei denen es nicht um Geld geht, unbegrenzt gespielt werden können. Denken wir beispielsweise an das Spiel „Flappy Bird“, welches zigtausende von Smartphones ihr Leben kostete, weil frustrierte Besitzer sie zerstörten, drängt sich der Verdacht auf, dass weniger die Spiele, sondern der Spieler selbst verantwortlich ist, inwiefern er zu Suchtverhalten neigt.

Was ist eigentlich eine Sucht?

Ein Laie könnte meinen, eine Sucht begründe sich in einer Art Ersatzbefriedigung (wofür auch immer), die erst zur Dauergewöhnung und dann zu Entzugserscheinungen bei Nichtanwendung führt. Das Suchtverhalten kann sich dann durch psychische, physische oder beide Abhängigkeiten gleichzeitig ausdrücken, ähnlich wie bei einem Drogenabhängigen. Interessant ist dabei zu erwähnen, dass noch nie zuvor so viele Drogen wie heute konsumiert wurden und statistisch betrachtet jeder Deutsche Alkoholiker ist. Denn rund 12 Liter reiner Alkohol pro Kopf pro Jahr entspricht knapp 1,5 Flaschen Bier von einem halben Liter oder entsprechend knapp eine halbe Flasche Wein täglich für jeden Deutschen älter als 15 Jahre. Das ist heftig!

Und wo liegt jetzt der Punkt?

Die grundsätzliche Frage, die sich stellt, ist doch wohl eher, warum so viele Menschen neuerdings zum Suchtverhalten neigen und weniger, womit sie dieser letztendlich frönen. Jeder Mensch mit einer einigermaßen stabilen Psyche wird doch nicht einfach süchtig. Weder von Alkohol, noch von einem Spiel. Es scheint doch viel mehr darum zu gehen, neue Krankheitsbilder für neue Heilverfahren zu generieren, als das eigentliche Problem beheben zu wollen. Die Videospiele, Online-Casinos und Glücksspiel-Apps kommen als Buhmann dabei gerade wie gerufen, denn sie bewegen sich zurzeit in einer Art rechtlichen und steuerlichen Grauzone.